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nano

Profi

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Samstag, 23. Juli 2011, 12:54

Japanische Küche

Ich war gestern zum Essen in einem teuren Japanischen Restaurant in einem noch teureren Hotel (<_< da traut sich Otto-normal-Verbraucher gar nicht rein...) eingeladen und dachte mir, ich erzähle euch ein bisschen darüber, wie man in Japan so isst.
Vielleicht hilft das ja dem ein oder anderen, ein Fettnäpfchen zu vermeiden. ^^

Ich und eine weitere Praktikantin waren also von unseren Chefs zum Essen eingeladen. Sprich es war ein eher "geschäftliches" Essen. Wenn ihr mit Freunden essen geht, müsst ihr nicht so sehr Acht geben. Die beiden Japaner nenne ich im Folgenden den "Chef" und den "Laufburschen". xD
(Hinweis: Die Bilder sind nicht von mir. Ich hatte keine Gelegenheit, zu Fotografieren, aber die Gerichte auf den Fotos stimmen in etwa mit dem Überein, was wir gegessen haben.)

Vor dem Essen
Bei so einem Geschäftsessen ist vor allem darauf zu achten, dass der Ranghöchste bestimmt, wer wo sitzt. Nun ja, ich glaube, es gibt dafür gewisse Regeln, die sich allerdings meinen Kenntnissen entziehen, daher einfach machen, was die Japaner sagen. xD

Im Restaurant, aber auch wenn ihr bei Japanern zu Hause zum Essen eingeladen seid, läuft es ganz anders ab, als bei uns. Ihr bekommt einen leeren kleinen Teller und die Gerichte stehen allesamt in der Mitte des Tisches, von dem sich alle nach und nach etwas auf den eigenen kleinen Teller nehmen. Das gilt allerdings nicht für Getränke, Suppen und Nachtisch.
Dabei gibt es auch bei den Stäbchen etwas zu beachten. Ihr esst mit der vorderen, schmalen Seite der Stäbchen. Wenn ihr euch etwas auf den Teller nehmen wollt, müsst ihr allerdings die Stäbchen umdrehen und das breitere Ende benutzen!
Falls ihr noch nie Stäbchen in der Hand hattet, hier eine kleine Zeichnung, wie man sie richtig hält:

Das untere Stäbchen klemmt ihr zwischen Daumen und Zeigefinger und legt es auf dem Ringfinger ab. Das Stäbchen bleibt unbeweglich! Das obere haltet und bewegt ihr mit Daumen, Zeige- und Mittelfinger. Es ist leichter, als es aussieht. Am Anfang braucht ihr etwas Geduld, aber ihr gewöhnt euch schnell dran. Vor allem dürft ihr die Stäbchen nicht mit zu viel Kraft festhalten, dann tut euch schnell die Hand weh. Einfach ganz locker halten, dann klappt das schon.

Die Vorspeise
Noch vor der Vorspeise werden, wie bei uns auch, die Getränke bestellt. Der Chef trank traditionell Sake (kalt) in einem kleinen Holz-Kästchen. Das sieht schon sehr beeindruckend aus.

Für den Laufburschen gab es Bier, meine Kollegin nahm ein Calpis und ich bestellte mir Tee. Der Chef sagte mir, dass man Tee in Japan erst ganz zum Schluss trinkt und wollte mich damit wohl dazu bewegen, etwas anderes zu bestellen, aber da mir auf der Karte nichts zusagte (ich trinke keinen Alkohol), blieb ich beim Tee, der in so einer Tasse serviert wurde:

Bei so einer Tasse müsst ihr aufpassen. Da sie keinen Henkel hat, ist sie sehr heiß. Am besten fasst ihr sie vorsichtig am oberen Rand an und stellt sie zum Trinken auf der Handfläche eurer anderen Hand leicht ab.

Was die Getränke betrifft, hat der Laufbursche dafür zu sorgen, dass der Chef immer zu trinken hat. Das zeigt sich entweder dadurch, dass er den Kellner ruft und um Nachschenken bittet, oder, falls die Sake-Flasche am Tisch steht, selbst zur Flasche greift und dem Chef nachschenkt. Es ist wirklich lustig, dieses Schauspiel zu beobachten.

Die Vorspeise selbst bestand aus folgenden Gerichten:
Edamame

Dies sind gesalzene Bohnen. Man isst sie, in dem man die Bohnen einzeln aus der Hülse herausdrückt. Schmeckt gut.

Tamagoyaki

Das sind gebratene und zusammengerollte Eier. Normalerweise sind sie oval, aber bei uns gestern hatten sie eine Form wie auf dem Bild hier. Sind sehr lecker. Solltet ihr unbedingt probieren.

Dann gab es noch:
Karaage

Das ist Fleisch, das irgendwie in Öl gebacken ist oder so. Schmeckt auch gut.

Hätt ich jetzt beinahe vergessen:
Agedoufu

Das ist frittierter Tofu, der in einer leckeren Brühe? serviert wird. Die Schale war bei uns etwas größer und es waren 4 Stück drin. Der Laufbursche hat es zwar auf wundersame Weise geschafft, den Tofu mit den Stäbchen herausnehmen zu können, aber das solltet ihr nicht versuchen. Der Chef hat erklärt, dass zu den Agedoufu normalerweise ein Löffel gereicht wird, um sie auf den Teller zu bekommen, daher solltet ihr euch nicht scheuen, nach einem Löffel zu fragen, falls keiner dabei ist.

Die Japaner haben mal wieder viel zu viel bestellt. Aber man wollte uns armen Schluckern wohl was Gutes tun. xD
Man kann übrigens auch ein Menü bestellen. Wir haben diesmal a la carte bestellt.

Das Hauptgericht(?)
Ich bin ehrlich gesagt gar nicht so sicher, was nun zum Hauptgericht und was zur Vorspeise gehörte, da alles durcheinander kam, aber wayne.
Meine Kollegin hat sich dazu einen Umeshu, Japanischen Pflaumenwein,

bestellt und wir anderen haben uns noch mal dasselbe Getränk nachschenken lassen.

Als erstes gab es Sashimi. Ihr wisst schon, diese dünnen Scheiben roher Fisch.

Ist nicht exakt das, was wir hatten, aber sehr ähnlich (allerdings ohne Garnelen-Köpfe *ieks*). Dieses Kraut, was ihr auf dem Foto so hübsch angerichtet seht, gab es bei uns auch. Das ist "Daikon", japanischer Rettich.
Wenn man nicht unbedingt Vegetarier ist, solltet ihr euch nicht scheuen, Sashimi zu probieren. Es ist für uns vielleicht ungewohnt, aber es schmeckt nicht schlecht.
Zum Essen werden die Streifen in ein kleines Schälchen mit Soja-Soße getunkt. Aber nehmt nicht zu viel. Soja-Soße hat einen sehr intensiven Geschmack.
Auch Wasabi (diese grüne Paste) wird sich immer auf einer Sashimi-Platte befinden. Achtung, das Zeug ist höllisch scharf. Wenn ihr Scharfes nicht mögt, lasst die Finger davon! Falls ihr doch Wasabi essen möchtet nehmt ihr entweder eine klitzekleine Menge mit den Stäbchen und tut sie auf den Fisch, oder, was die Japaner meistens tun, ihr nehmt eine kleine Menge und verrührt sie in einer Ecke des Soja-Soßen-Schälchens mit der Soja-Soße.
Was ihr mit Vorsicht probieren solltet, ist Tintenfisch. Das Zeug ist so richtig zäh x_X

Dann gab es Tempura:

In diesem Falle Garnelen-Tempura. Bei uns gab es dazu Aubergine, Avocado, Möhre und Shiitake. All das wird in einem Teigmantel kurz frittiert. Dazu gab es noch eine Soße, in die man die Tempura vor dem Verzehr kurz taucht.

Last but not least gab es selbstverständlich Sushi.

Unsere Auswahl war nicht identisch mit dem Bild, aber ähnlich.
Sushi könnt ihr mit der Hand essen. Nach Wahl tunkt ihr sie vorher kurz in die Soja-Soße oder tut einen Tupfer Wasabi drauf. Nigiri-Sushi werden aber sowieso schon mit Wasabi zubereitet, allerdings nicht so viel, dass es einem die Zunge wegbrennt. ^^
Die Japaner werden an dieser Stelle dazu neigen, euch zu erzählen, dass man nach jedem Happen Sushi etwas von dem eingelegten Ingwer isst, um den Geschmack zu neutralisieren. Aus Höflichkeit solltet ihr das eventuell ein mal tun und dann schreien "Karai sugiru!". Ihr müsst euch aber nicht dazu zwingen. Das Zeug steht dem Wasabi in Sachen Schärfe in nichts nach.

Wenn das dann alles soweit verputzt ist, geht es an die

Nachspeise

Normalerweise essen die Japaner als Nachspeise entweder Suppe oder Nudeln.
Der Laufbursche hat sich entsprechend eine Schüssel Tempura-Udon bestellt.

Udon sind diese dicken Nudeln. Schmecken irgendwie nach nichts, aber sind trotzdem irgendwie lecker. xD

Der Chef wollte gerne Chazuke,

das ist Reis, auf den Grüner Tee gegossen wird. Leider gab es das in dem Restaurant nicht, sodass er, wie meine Kollegin, zum Eis griff.

Aber nicht irgendwelches, nein, Maccha-Eis.

Zusammen mit einer Kugel Vanille-Eis. Maccha, das ist der traditionelle japanische grüne Tee. Ihr solltet es unbedingt probieren, es ist total lecker! Mitunter führen auch kleinere japanische Restaurants Maccha-Eis, auch wenn es nicht explizit auf der Speisekarte steht. Einfach nachfragen! Ihr werdet es nicht bereuen!

Auch ich habe mir, typisch deutsch, etwas Süßes bestellt.

Yukimi Daifuku. Das ist Eis, mit einem Reisteig-Mantel umhüllt. Erinnert etwas an Windbeutel. Bei uns waren sie noch mit Obst angerichtet.

Zum Abschluss gab es eine Runde Tee für jeden, der Chef hat bezahlt (die Summe möchte ich mir nicht mal ausmalen) und wir haben mit gut gefüllten Mägen den Heimweg angetreten.


Wie fandet ihr meine Berichterstattung? xD